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Vorabinfo

Samstag, 05. August 2017

Mannheim

Paula ist wieder da!

Paula, die kleine Großstadttaube

der beliebte Comic "zum Nachdenken" für groß und klein (in 4 Farben)

Skript zum Vortrag

 

„Geschlechterbedingte Ungleichheit und der Versuch, fair miteinander umzugehen“

 

der am 13.03.2016 beim Veganbrunch Saarbrücken gehalten wurde

Hunde wohnungsloser Menschen

wenn der Hund der einzig verlässliche Partner ist

 

Total Liberation Interview 3

– TVG Saar e.V.

 

 

Wir suchen immer mal wieder vegane, aktive

Helfer*innen für den Lebenshof. Bei Interesse einfach melden.


Unterstützung und Solidarität für die mutigen Besetzer*innen des Hambacher Forsts

03. Mai 2015 Hambacher Forst
03. Mai 2015 Hambacher Forst

Provokation und übelster "roll back" im saarl. "Tierschutz"

Protestaufruf vor Zoo Neunkirchen 18. Juni 2015

 

nazis und Tierrechte

Transkript des Referats von Colin Goldner
Transkript des Referats von Colin Goldner
Nazis und Tierrechte Broschüre.pdf
Adobe Acrobat Dokument 2.3 MB
36-seitige Broschüre zum Referat
36-seitige Broschüre zum Referat

 

Buchtipp:

Deutsche Erstausgabe 2014
Deutsche Erstausgabe 2014

in eigener Sache

 

Strafanzeige durch "Tierschützer"

 

Sämtliche Vorwürfe gegen Tierversuchsgegner waren frei erfunden

 

 

 

 

Flyer

 

Skript zum Vortrag „Geschlechterbedingte Ungleichheit und der Versuch, fair miteinander umzugehen“, der am 13.03.2016 beim Veganbrunch Saarbrücken gehalten wurde

 

 

Über dien Referent*in

No* ist Sozialpädagog*in, arbeitet gerade am Abschluss in Gender Studies, ist aktiv in einem LSBT-Antidiskriminierungsprojekt und versteht sich als feministisch. No* sieht sich irgendwo zwischen geschlechtslos und männlich, wird meistens für eine Frau gehalten und kann aus eigener Erfahrung über Diskrimierung von Lesben, Pansexuellen, trans Personen und Frauen sprechen.

 

Einleitung

 

Meine Vermutung ist, dass die wenigsten Leute bewusst oder vorsätzlich sexistisch sind. Wie können wir Diskriminierung entgegen wirken, wenn wir es nicht absichtlich tun? Zu diesem Zwecke werde ich zunächst in einem Theorieteil erläutern, wie es zur Bildung von Stereotypen kommt und wie dies das Miteinander von Personen beeinflusst. Dabei werde ich bereits einige Anekdoten und Tipps einstreuen, bevor ich zu einen Teil übergehe, in dem ich einige Situationen und Muster schildere, in denen mir sexistisches Verhalten auffiel, und Anregungen gebe, wie es besser geht.

Weil es mir zu kurz fasst, davon auszugehen, dass es nur Männer und Frauen gibt, die sich sexuell aufeinander beziehen, werde ich im Anschluss darüber reden, wie besser mit sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten umgegangen werden kann, also einige Tipps zum Verhalten gegenüber Lesben, Schwulen, Bi- und Pansexuellen, queeren sowie trans Personen geben. Um den Text leichter zugänglich zu machen, füge ich ein Glossar an, in dem Begriffe erklärt werden. Die verwendete Literatur befindet sich ebenso am Ende des Textes. Sollte ein ungewohntes Pronomen auftauchen, ist es vermutlich das Pronomen ohne Geschlecht nach Anna Heger (2013). Außerdem wird das Gender-* verwendet (bspw. Partner*innen), um Menschen aller Geschlechter einzuschließen, wenn es um eine geschlechtlich nicht näher definierte Gruppe geht.

 

Gleichberechtigter Umgang in heterosexuellen Beziehungen und heterosozialen Räumen

Der Begriff Stereotyp besteht aus dem griechischem Begriff stereos, der starr, hart, fest bedeutet und typos, das sich mit Entwurf oder feste Norm übersetzen lässt.

Begriff etablierte sich in den 1930er Jahren und wurde im Rahmen einer Forschung über Rassismus beschrieben als „ein[..]starre[r] Eindruck, der nur in geringem Maße mit der Realität übereinstimmt, und dadurch zustande kommt, dass wir zuerst urteilen und dann hinschauen“ (zitiert nach Petersen / Six 2008: 21). Grundlegend für eine Stereotypisierung ist die Unterscheidung in Eigen- und Fremdgruppe, wobei Urteile über die Fremdgruppe oft bei weitem negativer ausfallen als solche über die eigene (Petersen / Six 2008: 21). Wenn sich Stereotype gebildet haben, beeinflussen sie die Informationsverarbeitung des Menschen. Begegnet man einem Mitglied einer stereotypisierten Gruppe, erfolgt zunächst die automatische Informationsverarbeitung, die auf kulturell geprägtem Wissen über Stereotype beruht. Dies muss aber nicht zwingend in diskriminierendes Verhalten übergehen, denn darauf folgt die kontrollierte Verarbeitung der Information, die allerdings kognitiven Aufwand bedeutet, also bewusst durchdacht werden muss. Studien weisen darauf hin, dass die Aktivierung der Stereotypen individuell unterschiedlich ist (Schmid Mast / Krings 2008: 33f ). Bei Personen, für die Antisexismus ein wichtiger Wert ist, werden sexistische Stereotype nicht aktiviert (Athenstaedt / Alfermann 2011: 41).

 

Substereotypisierung

 

Wird ein Mensch mit Informationen konfrontiert, die nicht zum Stereotyp passen, ändert sich nicht zwingend das Stereotyp, sondern es werden Untergruppen erschaffen, denen Stereotype zugeordnet werden. Ob eine nicht zum Stereotyp passende Information der Gruppe zugeordnet wird oder eine Subkategorisierung vorgenommen wird, hängt davon ab, inwiefern die Person dem sonstigen Stereotyp entspricht: Ist die mathematisch begabte Frau einfühlsam, arbeitet als Lehrerin und trägt stets Röcke, wird die Eigenschaft „mathematisch begabt“ eher auf das Frauen-Stereotyp übertragen als bei einer Frau, die ein eher maskulines Erscheinungsbild hat, Ingenieurin ist und gern Fußball schaut. In Bezug auf Letztere wird sich eher ein Substereotyp ausbilden und das Frauenstereotyp somit unverändert bleiben (Machunsky 2008: 45ff). Das ist natürlich kein Aufruf an alle mathematisch begabten Frauen, möglichst feminin zu sein, damit in den Köpfen der Leute endlich mal ankommt, dass auch Frauen gut in Mathe sind. Aber es interessant zu wissen, wie solche Informationen verarbeitet werden, finde ich.

Geschlechterstereotypen gelten gesellschaftsübergreifend – sie ändern sich auch mit der Zeit trotz emanzipatorischen Fortschritts kaum. Wir haben alle kulturell geprägtes Wissen 
darüber, was männlich und was weiblich ist. Grundlegend für diese Einteitung sind die Kategorien Wärme und Kompetenz: Männer gelten als kompetent, Frauen als warm.

Vermutlich liegt es daran, dass die gleiche Aussage plötzlich wahrer wird, wenn sie von einem Mann wiederholt wird. Hab ich schon erlebt. Leider mehr als einmal.

Diese Einschätzung kehrt sich um, wenn Personen das Geschlechterbild nicht erfüllen: Feminine Männer werden für inkompetent, maskuline Frauen für kalt gehalten. Frauen, die nicht als warm gelten oder kompetent wirken, werden Subkategorien zugeordnet, die mit eigenen Stereotypen belegt werden. Es gibt vier dieser Kategorien:

Die Tussi wird weder für kompetent noch für warm gehalten und erfährt aktive Schädigung.

Die Frau des Typos Hausfrau/Mutter gilt als warm, aber nicht als kompetent. Sie erfährt passive Schädigung, in dem sie Mitleid und Unterstützung erfährt, ihr aber die Chance genommen wird, ihre Fähigkeiten zu beweisen.

Karrierefrauen und Emanzen gelten als kompetent, aber nicht als warm. Normalerweise wird Leuten, die so eingeschätzt wird, keine Sympathie entgegen gebracht, aber ihnen wird die Möglichkeit gegeben, ihre Fähigkeiten zu beweisen. Karrierefrauen und Emanzen erfahren aber aktive Schädigung durch hostilen Sexismus (s.u.). Wer als warm und kompetent gilt, erhält sie meiste Förderung – Frauen also nie (vgl.  Athenstaedt /Alfermann 2011: 25ff).

 

Das Modell des ambivaltenten Sexismus unterscheidet zwischen hostilem (feindseligem) und benevolentem (scheinbar wohlwollenden) Sexismus. Grundlegend für diese Unterscheidung ist, dass in heterosexuellen Beziehungen Männer und Frauen aufeinander angewiesen sind. Somit wird es schwierig, offen Frauen zu hassen, wenn Mann mit einer verheiratet ist. Daher werden die Frauen, die ihnen nahe stehen, einem positiven Frauenstereotyp zugeordnet und benevolent sexistisch behandelt. Dies zeigt sich durch das individuelle emotionale Erleben des Mannes, positive Stereotype wie die Aufwertung der Rolle der Mutter oder durch besondere Hilfsbereitschaft (Ritterlichkeit). Hostiler Seximus zeigt sich in offener Feindseligkeit und betrifft Frauen, die nicht dem klassischen Frauenbild entsprechen. Er kann sich beispielsweise in sexistischen Witzen, aber auch in physischer oder sexualisierter Gewalt äußern. Grundlegend für diese Art des Seximus ist die strukturelle Macht, die in fast allen Gesellschaften von Männern ausgeht (Six-Materna 2008: 122f). Nach diesen Ausführungen müsste also klar sein, dass sich Sexismus und enge Beziehungen zu Frauen nicht ausschließen.

Übrigens: Benevolenter Sexismus verunsichert Frauen mehr als hostiler. Während offene sexistische Anfeindungen keinen Einfluss hatten, führte benevolenter Sexismus dazu, dass Studentinnen ihre sozialen Fähigkeiten höher und ihre intellektuellen Fähigkeiten als schlechter einschätzten (Athenstaedt / Alfermann 2011: 87ff).

 

Außerdem werden Männer und Frauen anhand der ihnen zugeschriebenen Stereotype beurteilt (Athenstaedt /Alfermann 2011: 43f). Eine besonders mütterliche Frau fällt kaum auf. Zeigt ein Mann auch nur einen kleinen Teil dieser Fürsorge, gilt er als besonders lieb. Übernimmt ein Mann auch nur ein Drittel der Hausarbeit, gilt er als toller Hecht. In der traditionellen Rollenerwartung macht der Mann 0%, die Frau 100%. Jeder kleiner Handschlag soll somit belohnt, gelobt, mit sprichwörtlichen Keksen gefeiert werden. Ich würde diese Erwartungshaltung kritisch betrachten.

 

Ähnlich könnte es sich beim „nice guy“ verhalten. Nice guys müssen immer herausstellen, wie nett sie sind, oft in Abgrenzung zu den schlimmsten Männern des Universums, damit sie ihre eigenen Sexismen nicht reflektieren müssen. Ein mir bekanntes Exemplar hat eine besondere Vorliebe dafür, darüber zu reden, wie schlimm Pick Up Artist sind und erklärte mir an anderer Stelle, warum es ok sei, Frauen zu bevormunden und zu erniedrigen. Sie haben das mit ihren kleinen Ladybrains nämlich zehn Minuten später sowieso vergessen.

 

Oft dreht sich das Verhalten von nice guys darum, eine Frau ins Bett zu kriegen – und um so schlimmer ist die Aufregung, wenn sie sich einen anderen sucht, der in Sichtweise des nice guys ein echt schlimmer Kerl ist. Häufig ist die einzige Sorge des nice guys, der davon hört, dass eine Freundin von ihm in einer Beziehung ist, in der sie psychisch oder körperlich misshandelt wird, wieso sie nicht ihm einen bläst, weil er ja viel netter zu ihr wäre. Wer Frauen in dem Maße danach beurteilt, wie sie ihm dienlich sein können, ist vielleicht nicht so nett.

 

Ein anderer Punkt, den ich gerne ansprechen würde, ist das sogenannte Silencing – wie Leute zum Schweigen gebracht werden. Oft wird eine Aussage als persönliche Beleidigung gewertet. Zum Beispiel, wenn eine Frau einem Mann sagt, dass sein Verhalten sexistisch war, oder (Obacht, Gefahr, jetzt wird’s heikel!) dass er privilegiert ist oder wenn sie über ihre Erfahrungen mit Sexismus und sexistischer Gewalt redet. Es kann sein, dass es eine Rückmeldung zu deinem konkreten Verhalten ist, oder dass sie sich darüber auslässt, dass Männer scheiße sind. Der erste Punkt, die Kritik an deinem Tun, sollte auf jeden Fall ernst genommen werden. Auch wenn du kein Fiesling sein willst, passiert es manchmal. Frauen tragen schon so viel Sexismus mit sich herum, weil sie immer hören, dass Frauen nicht so viel drauf haben und sie das verinnerlichen. Es würde mich wirklich ganz doll wundern, wenn ein Mann davon vollkommen unbeeinflusst bliebe. Wenn du jetzt, oder irgendwann in diesem Text, mit einem „Aber ich bin nicht so!“ reagieren willst, merken wir, dass wir schon wieder mitten drin sind.

Die Pauschalisierung im zweiten Punkt darf dich verletzen und du darfst es auch sagen.

Aber ich halte es für nachteilhaft, wenn Frauen verboten wird, so etwas zu äußern - manchmal muss Frust heraus gelassen werden, und meistens merken Frauen auch selbst, dass sie da eine unnötige Pauschalisierung vorgenommen haben. Frauen brauchen in der Regel keinen Mann, der an der Stelle mit #NotAllMen dazwischen grätscht. Das ist ein Versuch, dafür zu sorgen, dass Frauen nicht über Seximus und Gewalterfahrungen reden. Es ist klar, dass nicht alle Männer schlimme Dinge tun. Aber die Männer, die ihre Partner*innen misshandeln, sehen halt aus wie ganz normale Männer. Du erkennst sie nicht. Und es ist nicht die Schuld der Frauen oder des Feminismus, das sie vorsichtig sind. Es ist eine Folge ihrer Erfahrungen in einer sexistischen, frauenfeindlichen Gesellschaft. Nicht jeder Mann reagiert entspannt auf eine Zurückweisung, und ich habe schon viele fiese Reaktionen auf ein „Nö“ gehört. Daher bin ich immer wieder nervös, wenn mich ein Unbekannter anspricht.

Das Privileg. Eins zu haben, fühlt sich, wenn du kein Drecksack bist, schlecht an. Ich fühle mich schlecht, wenn ich höre, dass nicht alle Menschen so problemlos in eine Disco kommen wie ich, weil nicht alle so weiß sind wie ich. Wie gern würde ich dieses Privileg von mir weisen oder abstreiten, dass es das gibt – aber das hilft nicht weiter. Privilegien lassen sich, ebenso wie Benachteiligungen, nicht einfach ablegen. Auch wenn du dich bemühst, Frauen nicht immer ins Wort zu fallen, obschon dir beigebracht wurde, dass du halt wichtig bist und das darfst, schleppst du noch einen richtig dicken Packen Privilegien mit dir rum, die dir andere zugestehen, ob du willst oder nicht. Vieles davon bemerkst du vermutlich nicht und manches kannst du gar nicht mitbekommen. Du erfähtst es nicht, wenn du den Job bekommen hast, obwohl sich auch drei gleich oder sogar besser qualifizierte Frauen beworben hatten. Und es ist wirklich schwer, zu bemerken, dass dir Leute eher aus dem Weg gehen als mir, weil sie dich halt für einen richtigen Menschen halten. Und ja, auch wenn du kein Mann bist, aber aussiehst wie einer, hast du gewisse Privilegien – das ist besonders scheiße, weil du dann nicht entsprechend deiner Identität anerkannt wirst, und das ist schlimm. Aber dir werden dadurch halt gewisse Sachen zugestanden, die andere nicht kriegen, und das führt uns zum nächsten Punkt:

„Ich bin ja selbst diskriminiert, ich kann nicht diskriminieren!“

Nein. Auch wenn du in manchen Punkten benachteiligt bist, heißt das nicht, dass du niemals diskriminierst. Abgesehen davon, dass Diskriminierung nicht nur zwischen zwei Menschen, sondern auf einer strukturellen Ebene stattfindet, schützt es dich selbst benachteiligt zu sein nicht davor, scheiße zu sein. Oder andererseits: Benachteiligungen können sich addieren, einander beeinflussen und bestärken.

Beispiel 1: In den USA wurde eine Klage Schwarzer Frauen, die keine Aufstiegschancen in

einer Firma hatten, abgewiesen. Der Arbeitgeber konnte nachweisen, dass weiße Frauen Aufstiegschancen haben. Er ist also nicht sexistisch. Er konnte ebenso nachweisen, dass Schwarze Männer aufsteigen – rassistisch ist er also auch nicht. Dennoch wurden Schwarze Frauen eindeutig benachteiligt, wegen des Aufeinanderwirkens verschiedener Diskriminierungen. Dieses Beispiel macht klar, dass Frauen anders_stärker von rassistischer Diskriminierung betroffen sind als Männer, oder dass Schwarze Frauen Sexismus anders_stärker erleben als weiße Frauen.

Kein* will dir aberkennen, dass du benachteiligt wirst, weil du z.B. rassistisch diskrimiert wirst. Das bedeutet halt nicht, dass du gefeit davor bist, am Unterdrückungsapparat teilzuhaben.

In diesen Bereich fallen wohl auch sexistische Frauen. Deshalb ist: „Ich kenne eine Frau, die das nicht schlimm findet!“ einfach kein Argument dafür, scheiße zu mir sein zu dürfen – ich kann das schlimm finden. Nur, weil eine Person es nicht schlimm findet, unterdrückt zu werden, weil sie so daran gewöhnt ist, wird es nicht gut.

 

Umgang mit Lesben, Schwulen, Bisexuellen etc.

 

 

Folgend beziehe ich mich darauf, wie Heterosexuelle mit nicht heterosexuellen Menschen umgehen. Umgang unter Lesben, Bisexuellen, Schwulen und anderen sexuellen Minderheiten werde ich vielleicht nochmal einen eigenen Text widmen.

Faustregel: Stelle keine Fragen, die du nicht auch Heterosexuellen stellen würdest. Du würdest vermutlich kein heterosexuelles Paar, das du gerade kennen gelernt hast, fragen, wie sie eigentlich Sex haben. Oder sie fragen, ob ihnen nicht was fehlt, wenn sie die ganze Zeit herumheteron, weil das ja schon was anderes ist als gleichgeschlechtlicher Sex. Oder ihnen mitteilen, dass du ja gern mal dabei wärst, wenn es bei ihnen zur Sache geht. Und Bisexuelle verfügen auch nicht über die gesamte Weisheit darüber, welcher Sex denn nun der bessere ist. Richtig nervig ist es, wenn wer versucht, Bisexuellen das Geständnis abzuringen, dass Heterosex doch eigentlich der bessere ist. Und generell, auch wenn ihr euch gut versteht, ist es euch kein* schuldig, den Erklärbären zu spielen. Da ist etwas Feingefühl gefragt, oder vielleicht einfach nachhaken, ob es gerade okay ist, wenn du dazu etwas fragst. Ich finde es okay, wenn wer sagt: „Ich habe keine Ahnung. Darf ich dich mit dummen Fragen nerven?“ Ok, vielleicht auch anders formuliert. Sucht euch selbst was, was euch gut passt. Und akzeptiert ein „Nö.“ Manchmal will ich einfach nicht das besondere Tier sein, dass gerade xiese Welt erklärt. Manchmal finde ich es toll, sich über verschiedene Erfahrungen auszutauschen und aus dem Nähkästchen zu plaudern.

 

Ähnlich unangebracht ist das, was unter dem schönen Begriff „Pseudotoleranz“ gefasst wird (vgl. Goth / Köhn 2014: 18f). Das bedeutet, dass Toleranz aufgebracht wird, weil „man das ja so macht“, sich eine Person in einem Umfeld bewegt, in dem offene Homofeindelichkeit nicht angemessen, aber nicht wirkliche Akzeptanz der Grund ist.

 

Bei einem etwas anderem Thema, nämlich bei Polyamorie, teilte mir eine Bekannte mit, dass das ja nichts für sie sei, aber dass sie ja tolerant sei. Und sie war verwundert / überrascht / amüsiert, als ich antworte: „Monogamie wäre auch nichts für mich, aber ich finde es ok, wenn du das machst.“ Manchmal funktioniert es doch, Aussagen umzukehren, um zu spiegeln, was da wer gesagt hat[1] – als ob es für mich irgendeine Relevanz hat oder haben sollte, was andere davon halten, mit wie vielen Leuten ich Herzchen habe.

Ziemlich schlimm ist auch die Aussage: „Es ist mir doch egal, was andere im Bett machen!“ Ein Sprichwort sagt: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Gut gemeint ist die Aussage definitiv. Einerseits drückt sie Toleranz aus. Dazu habe ich ja gerade was gesagt. Dann signalisiert mir mein Gegenüber Gleichgültigkeit in Bezug auf etwas, das mir einfach nicht gleichgültig sein kann, weil es mein Leben auf so viele Weisen beeinflusst. Und diese Aussage reduziert schwul-lesbisches Leben auf Sexualität. Es geht eben nicht nur darum, was ich im Bett mache. Es geht darum, wen ich liebe, und es beeinflusst in einer heteronormativen Gesellschaft so vieles: Als Sozialpädagog*in bewerbe ich mich einfach nicht bei einem katholischen Träger – sie können mich jederzeit feuern, wenn sie herausfinden, dass ich nicht hetero lebe, und das würde mich einfach zu doll belasten. Vielleicht kann ich auch nicht immer sorglos mit dem Menschen, den ich liebe, Händchen haltend durch die Stadt laufen oder ein Abschiedskuss vor meiner Haustür macht mir mehr Sorgen, als er sollte. Wenn ich nicht gerade gemischtgeschlechtliches Gruppenknutschen veranstalte, ist ein Teil meiner sexuellen Identität immer unsichtbar – mit hoher Wahrscheinlichkeit werde ich für eine lesbische oder eine heterosexuelle Frau gehalten. Vielleicht sollte generell nicht immer davon ausgegangen werden, dass alle Menschen im Umfeld hetero oder cis sind. Ich hab schon einige Gespräche geführt, wo es um „die“ ging, und innerlich n bisschen gegrinst. Es ist eine Mischung aus komisch und traurig, wenn sich Leute unter „ihresgleichen“ wähnen und dann über „die anderen“ reden, wenn ich ein* von „den anderen“ bin. In einem dieser Gespräche wurde mir auch widersprochen, als ich

vorschlug, sich einfach ein paar (Video-)Blogs von trans Personen anzuschauen, wenn es sie interessiert, wie sich trans sein wohl so anfühlt. Es gibt halt einige, die freimütig darüber erzählen. Aber nein, mir wurde erklärt, dass es doch viel interessanter ist, mit 1,3 Promill darüber zu mutmaßen. Na dann.

 



[1]Ich empfehle allerdings, sehr vorsichtig damit umzugehen, weil es sich nicht so einfach umkehren lässt. Eine Aussage, die gegen ein Mitglied einer marginaliserten Gruppe gerichtet ist, hat nicht den gleichen Effekt, wenn sie zu einer Person, die diesbezüglich nicht diskrimiert ist, entgegen gebracht ist, weil der dahinter stehende Herrschafts- und Gewaltapparat sowie negative Erfahrungen mit Diskrimierung fehlen.

 

 

Umgang mit Trans Personen

 

 

Wie schon erwähnt: Stellt keine Fragen, die ihr sonst nicht stellen würdet. In der Regel fragt ihr Leute nicht nach der Beschaffenheit ihrer Genitalien, hoffe ich. Es gibt halt Situationen, in denen das vielleicht angemessen und unter Umständen wichtig ist: z.B. wenn ihr nur auf eine auf bestimmte Art beschaffene Genitalien steht, kann das schon wichtig sein, wenn ihr Genitalkontakt anstrebt. Ich für meinen Teil meide Leute, die mir in der ersten Nachricht beim Onlinedating Fragen dazu stellen, was in meiner Hose ist. Oder ebendies fragen, nachdem ich mein Pronomen genannt habe. Ich habe einfach keine Lust, das als erste Info auszubreiten. Irgendwie sehe ich da wichtigere Teile meiner Person, die ich lieber besprechen wurde. Dann doch lieber: „Hi, wie geht’s?“ Ich wurde auch von meiner Familie befremdlicherweise über die Genitalien meiner damaligen Partnerin ausgefragt. Einfach nein. Bitte, beschäftigt euch nicht mit den private parts von Leuten, wenn sie euch wirklich nix angehen.

„Bist du ein Mann oder eine Frau?“ ist für mich eine wirklich schwierige Frage. Als nicht-binäre Person schwanke ich immer zwischen „Ja“, „Nein“ oder gar nicht antworten. Dennoch kann es eine wichtige Info sein, um eine Person nicht zu verletzen. Ich empfehle ein: „Wie kann ich dich ansprechen?“ oder „Was ist dein Pronomen?“. Anderer Tipp: Hört darauf, wie das Umfeld auf die Person referiert: als er, als sie, wird der Mensch als „mein Freund“ oder „meine Schwester“ benannt? Nachfragen ist halt immer sicherer. Leider hat das die Schwäche, dass diese Frage meist erst gestellt wird, wenn schon klar ist, dass an der Person irgendetwas „komisch“ ist. In der Regel ordnen wir, ohne viel darüber nachzudenken, Leuten ein Geschlecht zu. Erst Irritationen machen uns dies bewusst. Eigentlich können wir bei keiner*m davon ausgehen, sein/ihr/xies Geschlecht zu kennen. Ich traue mich aber auch nicht, jedes Gespräch mit der Frage nach der gewünschten Anrede zu beginnen. Leite ich Gruppen, die sich neu finden, nehme ich in die Vorstellungsrunde immer das gewünschte Pronomen mit auf. Leider schaffen es da auch viele cis Leute, ihr Privileg mal so richtig aufzuzeigen, in dem sie „natürlich“ oder „offensichtlich“ sie oder er sind. Bitte, tut das nicht. Sagt einfach „sie“ oder „er“. Es ist nicht

schwierig. Und sagt nicht, dass es euch egal ist. Wenn ihr cis seid, zeigt das nur, dass ihr in eurer Geschlechtsidentität so anerkannt seid, dass es euch nicht verunsichert, verletzt oder kränkt, falsch angerufen zu werden.[1] Es ist auch nicht besonders subversiv, einfach mal ein anderes Pronomen zu benennen. Nicht binäre Personen, denen beide Anreden gleich sind, dürfen das natürlich so benennen. Nur bitte, liebe cis Leute, wirklich, macht es nicht. Des Weiteren wäre es super, das ganze transfeindliche, cissexistische Vokabular, mit dem ständig hantiert wird, abzulegen. Ich fänd's echt cool, wenn wir aufhören könnten, von „männlichen“ und „weiblichen“ „Geschlechts“teilen zu reden. Es ist eine normative und eine unzutreffende Beschreibung. Ich kenne einige Frauen mit Penis und Männer mit Vulva sowie nicht binäre Personen mit unterschiedlicher genitaler Ausstattung. Biologisches Geschlecht ist ebenso wenig treffend. Meistens meinen wir damit den Zustand der primären Geschlechtsorgane, sprich: Penis oder Vulva. Die wenigsten von uns haben eine Gen- oder hormonelle Untersuchung gemacht, um ihr Geschlecht festzustellen. Das Konzept von zwei biologischen Geschlechtern wird sogar in den Naturwissenschaften brüchig.

Und zum Schluss: Geht einfach davon aus, dass Leute wissen, auf welches Klo sie gehen müssen. Wenn sich wer in der Tür geirrt hat, wird xier das auch schnell genug selbst merken. Es nervt nämlich nicht nur trans Personen, sondern auch cis Frauen mit kurzen Haaren, ständig darauf hingewiesen zu werden, dass das das Damen-WC ist.



[1]Den meisten Personen ist es dann doch nicht so recht, wenn ich sie entgegen des gewohnten Pronomen anspreche.

 

Glossar, alphabetisch sortiert

 

Bisexuell: Bisexuelle fühlen sich zu zwei, in manchen Deutungen auch: allen, Geschlechtern sexuell und / oder romantisch hingezogen.

 

Cis: eine cis Person lebt in dem Geschlecht, in dem sie gesellschaftlich gesehen leben soll. Beispiel: Eine Ärztin sagt nach der Geburt eines Kindes: „Es ist ein Junge!“, und das Kind denkt sein Leben lang: „Ja, stimmt!“ Diese Person ist cis.

 

Heterosexuell: Heterosexuelle fühlen sich sexuell und / oder romantisch überwiegend oder ausschließlich zu Menschen eines anderen Geschlechts hingezogen.

 

Lesbisch: Eine Frau, die sich sexuell und / oder romantisch ausschließlich oder überwiegend zu anderen Frauen hingezogen fühlt, ist lesbisch / eine Lesbe.

 

Nicht binär: Identitäten, die nicht unter die gesellschaftlich vorherrschenden Kategorien „männlich“ und „weiblich“ fallen, sammle ich unter dem Begriff nicht binär.

Pansexuell: Pansexuelle Menschen verspüren sexuelle und / oder romantische Anziehung zu allen Geschlechtern oder geschlechtsunabhängig.

 

Pick Up Artist: auf deutsch in etwa „Aufreißkünstler“. Männer, die sich bestimmten Tricks bedienen, um eine Frau ins Bett zu kriegen. Die Konzepte sind stark umstritten und werden oft scharf kritisiert.

 

Polyamorie: Praxis oder Möglichkeit, mehr als eine Liebesbeziehung zu führen. Mit Wissen und Einvernehmen aller Beteiligten.

 

Queer: Ursprünglich eine abwertende Bezeichnung für Lesben und Schwule, wird Queer mittlerweile auch als Selbstbezeichnung gewählt. Queer kann synonym zu schwul oder lesbisch verwendet werden, aber eigentlich ist der Begriff bewusst unpräzise gewählt. Daher ist es möglich, dass zwei Queers ihre Sichtweise auf queer vollkommen unterschiedlich verwenden. Teilweise wird queer als Sammelbegriff für lesbisch, schwul, bi (und trans) verwendet.

 

Schwul:  Ein Mann, der sich sexuell und / oder romantisch ausschließlich oder überwiegend zu anderen Männernn hingezogen fühlt, ist schwul / ein Schwuler.

 

Trans: eine trans Person lebt nicht oder nicht dauerhaft in dem Geschlecht, in dem sie gesellschaftlich gesehen leben soll. Beispiel: Nach der Geburt sagt die Hebamme: „Es ist ein Mädchen!“, und das Kind merkt im Laufe seines / ihres / xiesen Lebens, dass die Hebamme ganz schön daneben lag. Trans Personen können Männer, Frauen, einem anderen oder keinem Geschlecht zugehörig sein.

 

Literatur

 

ATHENSTAEDT, Ursula; ALFERMANN, Dorothee (2011): Geschlechterrollen und ihre Folgen. Eine sozialpsychologische Betrachtung. Stuttgart: Kohlhammer.

 

GÖTH, Magrit; KOHN, Ralph (2014): Sexuelle Orientierung in Psychotherapie und Beratung. Heidelberg / Berlin: Springer.

 

HEGER, Anna (2013): Pronomen ohne Geschlecht 3.2. Im Internet abrufbar unter:

http://annaheger.wordpress.com/2013/09/16/pronomen-ohne-geschlecht-3-2/ [zuletzt geprüft 14.03.16]

 

MACHUNSKY, Maya (2008): Substereotypisierung. In: PETERSEN, Lars-Eric; SIX, Bernd (Hg.): Stereotype, Vorurteile und Soziale Diskriminierung. Theorien, Befunde und Interventionen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag. S. 45-52

 

PETERSEN, Lars-Eric; SIX, Bernd (Hg.) (2008): Stereotype, Vorurteile und Soziale Diskriminierung. Theorien, Befunde und Interventionen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.

 

SCHMID MAST, Marianne; KRINGS, Franciska (2008): Stereotype und Informationsverarbeitung. In: PETERSEN, Lars-Eric; SIX, Bernd (Hg.): Stereotype, Vorurteile und Soziale Diskriminierung. Theorien, Befunde und Interventionen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag. S. 33-44

 

SIX-MATERNA, Iris (2008): Sexismus. In: PETERSEN, Lars-Eric; SIX, Bernd (Hg.): Stereotype, Vorurteile und Soziale Diskriminierung. Theorien, Befunde und Interventionen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag. S. 121-130

 

Zum Weiterlesen:

 

SHEHADEH, Nadia (2016): Feministische Männer, oder: eine Verheißung, die keine ist. ak - analyse & kritik - zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 613 / 16.2.2016.

Online abrufbar unter: http://www.akweb.de/ak_s/ak613/18.htm

 

DÜSE (2015): Liebe nette Männer! Sechs Punkte, an denen es hakt. Online abrufbar unter: http://indyvegan.org/liebe-nette-maenner-sechs-punkte-an-denen-es-hakt/

 

und das Internet hat noch tausende tolle Sache zu bieten. Ich habe auch zwei wundervolle Beiträge feministischer_linker Mütter darüber gelesen, dass die Care Arbeit nicht fair verteilt wird, obschon es der Anspruch der Paare war. Leider finde ich die nicht mehr. Also, wenn es euch interessiert: Stürzt euch drauf und schaut, was ihr so erfahrt!